CHRONIK DER SCHÜTZENGILDE WILDSCHÖNAU

von Alt-OSM Margreiter Georg


Im Hochtal Wildschönau wurde erstmals im Jahre 1847 eine Schützengilde errichtet. Damals lebte in der Ortschaft Oberau der zu dieser Zeit bekannte Sänger Paul Schoner. Er sorgte dafür, daß in der Nähe seines Wohnhauses ein Gemeinde-Schießstand gebaut wurde. Mitte des 19. Jh. waren regelmäßige Schießübungen noch staatsübliche Pflicht. Verantwortlich für die Ausbildung der wehrpflichtigen Männer waren die Schützengilden. Auf diesem Gemeinde-Schießstand – in der Nähe des heute noch existierenden Gasthofes „Dorferwirt“ – wurden fast 100 Jahre lang – bis zum Jahre 1939 – Scheibenschießen veranstaltet. Dann mußte der Schießbetrieb jedoch eingestellt werden, weil die Gemeindestraße das Schußfeld querte. Wegen Gefährdung von Straßen-Passanten mußte daher der Schießstand abgetragen werden. Damit war im Hochtal Wildschönau das Schützenwesen für die nächsten 22 Jahre „begraben“.

Das Fehlen eines Schießstandes und Schützenvereines war schließlich aber doch einigen am Schießsport besonders interessierten ein Dorn im Auge. Insbesondere waren dies der Gemeindesekretär Josef Rabl, der Arbeiter Raimund Stadler und der Landwirt Josef Seisl. So beschlossen die Männer im Jahre 1961, in Oberau wieder eine Schützengilde zu Gründen. Nachdem für den Bau eines richtigen Schützenheimes jedoch keine Finanzmittel vorhanden waren, erklärte sich der damalige Bürgermeister, ÖkRat Andrä Schoner als Besitzer des Gasthofes „Dorferwirt“, bereit, im Söller des Gasthauses den Schießbetrieb aufzunehmen. Da sich der Behelfsschießstand in einem Gasthaus befand, erübrigte es sich, ein eigenes Vereinslokal für´s gemütliche Beisammensein zu erbauen. Am 3. Dezember 1961 war es schließlich soweit: Mit der Gründungsversammlung der Schützengilde Oberau konnte eine neue Ära des Schießsportes im Hochtal Wildschönau eingeleitet werden.

Josef Rabl als Oberschützenmeister, Raimund Stadler als 1. Schützenmeister und der Bürgermeister ÖkRat Andrä Schoner bildeten die Führungsspitze der neuerrichteten Schützengilde, der vorerst 24 Vereinsmitglieder angehörten. Die beiden Schützenmeister sind inzwischen leider verstorben. Josef Rabl – seit 1989 Ehrenoberschützenmeister – gehört noch immer als aktives Mitglied der Schützengilden an. Im Jahre 1963 gelang es dem Vorstand der Schützengilde, im Keller des gemeindeeigenen Posthauses in Oberau, Räumlichkeiten für ein Schützenheim zu bekommen (nicht zuletzt war ja der Bürgermeister im Vorstand der Gilde!). Mit viel Mühe und Fleiß errichteten die aktiven Schützen ein nettes Schützenheim mit 8 Schießständen und einem kleinen Vereinslokal.

Von da an ging es mit der Schützengilde Oberau ständig aufwärts und es konnten immer wieder schöne sportliche Erfolge erzielt werden. Ganze 27 ½ Jahre lang leitete der Gemeindesekretär Josef Rabl als Oberschützenmeister die Schützengilde, bis er im April 1989 diese Funktion dem Gendarmeriebeamten Georg Margreiter aus Niederau übergab. Infolge der steten Aufwärtsentwicklung des Vereins wurde natürlich das inzwischen fast 25 Jahre alte Schießlokal zu klein. Es wurde daher bereits zwei Monate nach der Neuformierung der Gildevorstehung im Jahre 1989 ein Erweiterungsbau beschlossen und alle Schützenkameraden wurden zum Arbeitseinsatz „vergattert“. Mehr als 30 Schützenkameraden krempelten die Ärmel hoch und in nur 4 Monaten wurden mit ca. 2.500 unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden auf eine Fläche von mehr als 200 qm, 11 moderne Schießstände und ein großes Vereinslokal nach dem neuesten Stand der Technik errichtet.

Damit konnte das Schützenheim um mehr als das Doppelte vergrößert werden. Die Kosten für den Umbau betrugen, trotz der unentgeltlich geleisteten Arbeit, mehr als 1 Mio. Schilling. Dieser aufwendige Ausbau konnte nur durch großzügige Subventionierung durch die öffentliche Hand – hier insbesondere durch die Gemeinde Wildschönau – und dem Spendeneifer der Wildschönauer Bevölkerung erfolgen. Es zeigte sich, daß das Schützenwesen im Tiroler Land doch einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Da der Schützengilde inzwischen ca. 60 aktive Schützinnen und Schützen aus alle Ortsteilen des Hochtales angehören, wurde der Vereinsname im Jahre 1990 auf „Schützengilde Wildschönau“ abgeändert. Im Juli 1992 erhielt die Gilde noch eine vereinseigene Fahne und kann damit auch in der Öffentlichkeit das Schützenwesen im Hochtal repräsentieren.

Aus dem Buch:
Bezirks-Schützenbund Kufstein, Chronik
Europäisches Schützenlexikon, Ausgabe Österreich, Band 1 – Tirol
Herausgeber: Bezirks-Schützenbund Kufstein.

Für den Inhalt verantwortlich:
Prof. h. c. OSR. Fritz Kirchmair, als Bezirks-Oberschützenmeister und als Bezirks-Beauftragter für das Chronikwesen im Bezirk Kufstein.
Erscheinungsjahr 1992.

Führungskräfte der SG WILDSCHÖNAU von 1961 bis heute:

Oberschützenmeister (OSM):

1961 – 1989  RABL Josef, Oberau
1989 – 1995  MARGREITER Georg, Niederau
1995 – 2013  TRECKSEL Hermann, Oberau
2013 – heute SCHELLHORN  Martin, Oberau

1. Schützenmeister (1.SM):
1961 – 1968  STADLER Raimund, Oberau
1968 – 1986  HOHLRIEDER Georg, Oberau
1986 – 1998  STADLER Toni, Oberau
1998 – heute HALFINGER Helmut, Wörgl

2. Schützenmeister (2.SM):
1961 – 1968  ÖkRat SCHONER Andra, Oberau
1968 – 1971  STADLER Raimund, Oberau
1971 – 1980  HALFINGER Josef, Oberau
1980 – 1986  SCHIESTL Reinhard, Oberau
1986 – 1992  LUCHNER Hans, Niederau
1992 – 1998  RIEDMANN Gerhard, Oberau
1998 – 2007  STADLER Toni, Oberau
2007 – 2010  HOHLRIEDER Erwin, Oberau
2010 – 2013  STADLER Jürgen, Oberau
2013 – heute TRECKSEL Hermann, Oberau 

Kassier:
1961 – 1983 LUCHNER Heinrich, Oberau
1983 – 2001 HALFINGER Josef, Oberau
2001 – heute WEISSBACHER Karl, Oberau

Schriftführer (SFR):
1961 – 1965  DOLL Karl, Oberau
1965 – 1971  SEISL Josef, Oberau
1971 – 1973  HOHLRIEDER Rudolf, Niederau
1973 – 1989  MARGREITER Georg, Niederau
1989 – 1995  HÖLZL Anton, Oberau
1995 – 2013  SCHELLHORN Martin, Oberau
2013 – heute STADLER Jürgen, Oberau

Ehrenoberschützenmeister (EOSM):

seit 1989 EOSM RABL Sepp

Ehrenmitglied (EM):
seit 2003 EM HALFINGER Sepp

Ehrenmitglied (EM):
seit 2008 EM STADLER Toni